Gegenüber dem Kloster St. Johann, mitten im Dorf Müstair, steht die Chasa Chalavaina, eines der ältesten Hotels der Schweiz. Das Haus ist rund 770 Jahre alt und wurde bereits 1254 erstmals erwähnt. Vieles von dieser Geschichte ist bis heute sichtbar: alte Dielen, massive Balken, Kachelöfen und Möbel aus verschiedenen Jahrhunderten.
Bis 2021 gehörte das Haus Jon Fasser, der die Chasa über Jahrzehnte geführt hatte. Als er sich im hohen Alter zum Verkauf entschied, war ihm wichtig, dass sie öffentlich zugänglich bleibt und nicht zu einem privaten Wohnhaus wird. Deshalb wurde 2022 eine Stiftung gegründet, die das Haus langfristig erhalten soll. Seit 2025 ist Isolde Christandl Geschäftsführerin und Gastgeberin. Die Idee dahinter ist geblieben: möglichst wenig verändern, dort eingreifen, wo es nötig ist, und dem historischen Gebäude seine Eigenheiten lassen.
Auch die Einrichtung folgt diesem Gedanken. Jedes der 18 Zimmer ist anders und verbindet historische Möbel – teilweise aus dem 16. Jahrhundert – mit schlichten Leuchten, zeitgenössischen Elementen und Kunst. Überflüssige Dekoration wurde bewusst entfernt. Aus alten Bettlaken entstanden Vorhänge, an den Fenstern hängen Leinenstoffe, die Tischwäsche kommt von der Handweberei Tessanda. Im ganzen Haus geht es eher um Material und Geschichte als um eine perfekt durchgestylte Atmosphäre.
Zum Hotel gehören außerdem ein großer Garten und die Ottaviastube mit Tee, Zeitungen und Literatur. Direkt gegenüber liegt das UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann. Die Bündner Hauptleute sollen in der alten Herberge einst Kriegsrat vor der Schlacht an der Calven gehalten haben – daher auch der Name Chalavaina. Heute ist der Ort deutlich friedlicher: ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen, Kultur, Yoga-Retreats und Entdeckungen in der Biosfera Val Müstair.
| EZ inkl. Frühstück | ab85 € |
| DZ inkl. Frühstück | ab200 € |
Die Chasa Chalavaina besteht aus zwei aneinandergebauten, denkmalgeschützten Engadiner Häusern. Bei der sanften Renovierung im Jahr 2022 wurde deshalb besonders darauf geachtet, möglichst viel von der vorhandenen Substanz zu bewahren. Die Arbeiten erfolgten Schritt für Schritt und in enger Abstimmung mit Fachleuten, der Denkmalpflege und lokalen Handwerksbetrieben. Die Arven-Gaststube und die historische Rauchküche blieben unverändert, ebenso viele Möbel aus unterschiedlichen Epochen. Darunter ist auch ein Bett aus dem 16. Jahrhundert. Auch bei den Dingen des täglichen Gebrauchs spielt die Region eine Rolle. Tischläufer, Servietten und Sitzunterlagen aus Leinen und Schafwolle stammen von der Handweberei Tessanda in Santa Maria im Val Müstair. Dazu kommen Seife aus dem Bergell, Frottee aus 100 Prozent Bio-Baumwolle und Federbetten mit Gänsedaunen.
In der Küche der Chasa Chalavaina kommt möglichst auf den Teller, was die Region und die Saison gerade hergeben. Küchenchef Oliver Thialer arbeitet dafür mit zertifizierten Produkten der Biosfera Val Müstair und bezieht viele Zutaten direkt von Höfen aus dem Tal: Bio-Kalb und -Rind, Klosterkäse, Milch und Butter aus der Chascharia, Eier, Bio-Getreide und Tschliner Bier. Kräuter und Gemüse wachsen zum Teil im eigenen Garten. Auch beim Kochen wird möglichst wenig verschwendet. Nach dem Prinzip „Nose to Tail“ wird beispielsweise ein Kalb vom Bio-Bauern Isidor Sepp aus Müstair möglichst vollständig verarbeitet. Vieles wird in der Küche selbst hergestellt, das Brot kommt von der Dorfbäckerei. Auch beim Frühstück stehen Produkte aus dem Tal auf dem Tisch, darunter Klosterkäse und Alpkäse. Speiseabfälle werden gesammelt und kompostiert.
Für die Mitarbeitenden gibt es Vergünstigungen bei Übernachtungen und Konsumationen. Getragen wird das Hotel von der Stiftung Chasa Chalavaina, die es 2022 mit dem Ziel erworben hat, das historische Ensemble rund um das Kloster St. Johann und den Plaz Grond zu erhalten und die Chasa weiterhin öffentlich zugänglich zu machen. Auch kulturell ist das Haus eng mit seiner Umgebung verbunden. Gemeinsam mit dem UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann entsteht ein eigenes Kulturprogramm. In der Chasa Selm finden außerdem Handwerkskurse statt, bei denen regionale Techniken und Wissen weitergegeben werden.
Gereinigt wird mit Wasserdampf und ganz ohne chemische Reinigungsmittel. Abfälle werden getrennt gesammelt und organische Reste kompostiert. Bett- und Tischwäsche trocknet, wann immer möglich, an der frischen Luft. Die Handtücher bestehen aus 100 Prozent Bio-Baumwolle. Die Chasa Chalavaina ist außerdem Partnerbetrieb der Biosfera Val Müstair und trägt das Produktelabel für biologische und lokal hergestellte Produkte. Als Swisstainable-Betrieb nimmt das Hotel auch am Nachhaltigkeitsprogramm von Schweiz Tourismus teil. Welche Produzent:innen aus dem Tal dahinterstehen, zeigt die Chasa auf ihrer Website in eigenen Porträts – so bleibt die Herkunft der verwendeten Produkte sichtbar und persönlich.
Wer in der Chasa Chalavaina bleiben möchte, ohne viel Programm zu machen, findet im weitläufigen Garten einen ruhigen Platz. Im Haus werden Gesundheits-, Entspannungs- und Therapiemassagen angeboten, außerdem finden Yoga- und Atem-Retreats statt. Für Saunagänge arbeitet die Chasa mit dem wenige Schritte entfernten Camping „muglin“ zusammen. Die Sauna befindet sich dort im ehemaligen Heustock.
Mitglied
Historisches Hotel des Jahres 2024
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